Gesellschaftlicher Dialog beginnt im Denken.

Wie wollen wir miteinander leben? Was ist wichtig für eine Gemeinschaft? Welche Grenzen wollen wir ziehen und welche sind eigentlich keine? Gegenwärtig braucht es den Dialog, um Vielfalt und Diversität möglich zu machen – und demokratische Werte gegen die zu verteidigen, die mit einfachen Antworten unser gesellschaftliches Fundament brüchig werden lassen. Gemeinsames Handeln braucht gemeinsames Denken und den Dialog, um darin unterschiedliche Gedanken und Sichtweisen miteinander zu verbinden. Die Philosophie kommt in der menschlichen Fähigkeit zum Ausdruck, Fragen zu stellen und nach Antworten zu suchen. Das gelingt nur im gemeinsamen Austausch und braucht die Bereitschaft zum kooperativen Denken. Dieses Streben hat im Laufe ihrer Geschichte viele Schulen und Denkrichtungen hervorgebracht, die alles andere als einheitliche Überzeugungen und Schwerpunkte vertreten – aber darin Möglichkeiten und Perspektiven aufzeigen, wie wir selbst zu einer Überzeugung kommen können. Die philosophische Praxis stellt die Frage nach dem „guten Leben“ und ist damit Teil der Ethik. Ihr geht es darum, eigene Handlungsleitlinien, Werte und mögliche Moralvorstellungen zu formulieren, ohne sie gleichzeitig festzuschreiben. „Was sollen wir tun?“ – mit dieser schlichten Frage hat der Philosoph Immanuel Kant eines der zentralen Anliegen der Philosophie beschrieben. Nicht allein das „Denken“, sondern das Denken als Grundlage des Handelns steht im Mittelpunkt einer philosophischen Praxis. Dazu gehören zwei zentrale Fähigkeiten, die das Philosophieren als zentrale menschliche Kulturtechnik beschreiben: Das Hinterfragen von Selbstverständlichkeiten und das Differenzieren von Begriffen – im Kontext von zeitlichem Wandel und neuen Erkenntnissen. Jede Frage ist ein möglicher Ausgangspunkt der Philosophie.

Mein aktueller Fokus:

Was ist derzeit unsere dringlichste Aufgabe? Der Kampf gegen Rechtsextremismus, die Energiewende, die Reform des Bildungssystems? Oder brauchen wir unsere Kraft in den ganz persönlichen Fragen des “guten Lebens”, der mentalen Gesundheit und Aufgaben und Herausforderungen bei der Erziehung unserer Kinder oder der Pflege alt gewordener Eltern? Derzeit scheint jeder und jede von uns überall gefragt zu sein: Wie treffen wir darin gute Entscheidungen, finden Prioritäten und gleichzeitig die richtigen Worte, um sie zu begründen? Diese Fragen beschäftigen mich derzeit fast in jedem Gespräch, in Texten und auf Veranstaltungen und mir scheint, dass wir alle gefordert sind, nicht allein darin, uns zu engagieren, sondern darin, dazu zu lernen, zuzuhören und herauszufinden, wo die Handlungsspielräume und Möglichkeiten sind und welche Grenzen zu ziehen sind, um genau diese Räume zu erhalten.